Monday, September 04, 2006

4. September 2006 - 3. Teil von Bergen oder die Mystik der Fjorde

Nach einem wunderbaren, wenn auch völlig durchnässten WE mit Mareike und Silke und jede Menge Erinnerungen an Helsinki und zig Ideen im Kopf was ich noch alles schreiben könnte melde ich mich mal wieder zu Wort.Natürlich kann der Besuch von Mareike und Silke nicht unerwähnt bleiben, aber ich muss doch noch zuerst meine Geschichte über unseren Ausflug nach Bergen (mit ner Woche Verspätung beenden) und dann hab ich doch schon soo viele Kuriositäten der Norweger gesammelt. Also viel zu tun für mich in den nächsten Tagen und viel zu lesen für euch...holt euch besser was zu trinken und zu essen. Weiß ja keiner wie lange das dauern wird.

Gut ich will nun nicht alles unnötig in die Länge ziehen, daher stürzen wir uns gleich rein ins Vergnügen:

Wir erinnern uns, wie der letzte Stand der Dinge war: Samstag abend in Bergen, und wir früh ins Bett, weil unser Schiffi doch am Sonntag morgen um 8:00 Uhr im Hafen ablegt und wir noch Frühstück kaufen müssen. Allerdings haben wir unsere "wir gehen früh schlafen, damit wir ja ausgeschlafen sind"-Rechnung ohne die Norweger gemacht. Speziell ohne die, die im Haus gegenüber eine (Vorglüh-)Party gefeiert haben, dass unsere ohnehin nicht mehr so vertrauenswürdigen Wände sich gebogen und gewackelt haben und gepaart mit dem ständigen krachen von dem bekloppten und alterschwachen Lift (der übrigens ein Stockwerk unter uns lag) war das ein ganz netter Geräuchpegel. Als wir dann endlich geschlafen haben und ich noch mit so Widrigkeiten wir einem zusammengebrochenen Bett zu kämpfen hatte, war die RUhe auch schon wieder vorbei, weil dann...ja dann sind alle betrunkenen Norweger nach Hause...und auch das kann man net in einer Lautstärke machen, die müde Touristen schlafen lässt...NEIN man schreit was das Zeug hält. Naja wie auch immer...nach einer kurzen Nacht hieß es um 6.30 wieder raus aus den unbequemen Federn und los an den Hafen zum Frühstück fassen.
Wobei es muss hier noch erwähnt werden, wie Bergen um 7.15Uhr an einem Sonntagmorgen aussieht: als wenn eine Bombe eingeschlagen hätte. McD, 7-Eleven und Narvesen haben hier 24/7 offen und das heißt, jeder kauft sich beim Heimgehen noch ein "Nattmat" (Nachtessen, Jausnen nach dem Fortgehen) und weil alle so betrunken finden alle die unzähligen Mistkübel nicht --> runter auf den Boden...stört doch eh net und die Stadt räumt das eh auf...*seufz* und hier noch ein Bild der absoluten Zerstörung:

Wieder mal bei 7-Eleven (hab ich schon mal erwähnt, dass die den besten Kakao in Norwegen machen???) mit Frühstück versorgt besteigen wir also unsere Expressfähre, die uns während einer knapp 5 stündigen Fahrt in den Sognefjord bringen soll. Papa und ich besteigen das Dach der Fähre um unseren Kaffee an Deck und mit Ausblick auf Bergen zu genießen und dann duckert der Katamaran auch schon aus dem Hafen... Wobei...bei duckern bleibt es nicht lang...kaum ist der innere Bereich des Hafens verlassen, zeigt der Kaptain mal was sein Gefährt so an PS unter der Haube hat bzw. wieviele Knoten man schafft und vor allem, dass die Beschleunigung jeden Ferrari mit Schumacher am Steuer alt aussehen lässt. Und außerdem hat er wohl getestet welche Geschwindigkeit und welchen Fahrtwind die Touristen an Deck denn noch verkraften, ohne von Bord geblasen zu werden. Naja... als mir der Wind beinahe meine Kontaktlinsen gekostet hätte, hab ich mich dann auch in den etwas windstilleren Bereich des Decks zurückgezogen. (Ein Kanadier ist so ziemlich die ganze Zeit nur in Holzpantoffeln obengestanden, als ich schon meine Doc Martens in den Himmel gelobt hab!)
Dann hatten wir auch noch ein ganz lustiges wenn auch net ungefährliches Erlebnis mit so nem kleinen Miniboot, dass wohl auf den Weg von Bergen und Fortgehen nach Hause war, denn genauso is der Fahrer gefahren: Is voll in die Route unseres Expressbootes gekurvt und am Anfang sah man niemanden in dem Boot. Als ob die Besatzung über Bord gegangen wer. Unser Schiffi hupt und tutet wie in Böser und ein Besatzungsmitglied rennt höchst alamiert raus um zu überprüfen ob da überhaupt noch jemand in dem Schiffi is. Und tatsächlich nach dem 100. Hupen taucht auf einmal ein Kopf auf. Ganz überrascht, dass da noch ein Schiff kommt und dann so ein großes....mit voller Geschwindigkeit. Naja... er macht dann eine scharfe Kurve um aus unserer Schußbahn zu kommen und was passiert plötzlich taucht noch ein komplett verschlafener Kopf aus dem Boot auf. WENIGER SAUFEN!!! AUCH SCHIFFE UND ALKOHOL VERTRAGEN SICH GAR NET!!!!
Na gut... um uns jetzt mal auf die Fahrtroute zu konzentrieren: Vom Bergen Hafen aus sind wir die Küste entlang bis zur Einfahrt zum Sognefjord, der wie schon erwähnt, der längste und tiefste bewohnte Fjord ist. Lang ist er 230 km und an der tiefsten Stelle 1.200 Meter. Was wirklich beeindrucken ist, weil über Wasser die Berge auch einige hundert Meter in den Himmel ragen. Wenn man sich dann vorstellt, dass es auch nochmal 1.000 Meter unter Wasser weitergeht...irgendwie unheimlich und faszinierend gleichzeitig. Der Fjord ist neben vielen Seitenarmen und durchaus grünen Hängen von noch unzähligen imposanten Wasserfällen geprägt, bei denen das Wasser von der Bergspitze in den Fjord tost. Wirklich wow. Unser Wetter war ja eher regnerisch und trüb wobei ich sagen muss, dass dies mir noch viel besser gefallen hat als wahrscheinlich bei Sonnenschein, da es so richtig verständlich gemacht hat, wie die Leute auf Wesen wie Trolle, Elfen, Zwerge und ähnlichem gekommen sind. In den Seitenarmen hängt der Nebel bzw. auf halber Höhe des Berges. (für mich als Mystery Fanatiker und wohl doch viiiiiiiel romantischer als gedacht veranlagten Person war das natürlich ein Traum...*seufz* also auf so einer Hütte in Norwegen könnte man sicherlich ein Buch schreiben...)
Okay... also unser Expressfjord hat uns bis zu dem sagenumwobenen Stop Midtfjord gebracht...(sagenumwoben deshalb weil er zwar überall angegeben war, aber auf keiner Karte eingezeichnet...*hm???*) und siehe da, wie alles im Norwegischen auch Midtfjord ist sehr wörtlich zu nehmen: wir sind mitten im Fjord von unserem tollen Superflitzer auf einen normale Autofähre umgestiegen. Mitten im Fjord!!!Schade nur, dass es geregnet hat in Strömen, hätte das gerne Fotografiert...war nämlich ein super geniales Bild.
Unser neuer Untersetzer war natürlich bei weitem nicht so wendig und flink (ich hab ja vergessen zu erwähnen, dass das Expressschiffi immer so einen Hafen angesteuert hat, dass wir das Gefühl hatte, wir sitzen gleich an Land!:) ) aber genau das richtige um den Seitenarm Naeroyfjord zu entdecken.
Gemächlich ist das Schiff durch dieses engen Seitenarm geschippert. Hier hat man übrigens schon gemerkt, dass es deutlich mehr von Touristen genutzt wird, da sie Ansagen zu den Umliegenden Dörfern udn Wasserfällen abgespielt haben und das in 5 Sprachen. Aber wir auf der Reise konnten wir (als wir unsere Plätze an der Reling gegen unzählige Deutsche und Spanier verteidigt hatten - spanische Frauen sind klein, aber ganz schön lästig!!!) 2 Dörfer, die autofrei sind, weil net über straße zu erreichen und beeindruckende Wasserfälle sehen. Und Kajakfahrer, die die Bugwelle von unserer Fähre gleich mal ein Padel gekostet haben.
Ziel dieses Reiseabschnitts bildete Gudvangen, das ganz innen in diesem Seitenarm liegt und eigentlich nur von den Touristen lebt. Dort konnten wir eine Stunde Aufenthalt
genießen, weil es muss ja auch jemand in den ganzen Souvenirläden einkaufen. Dann ging es mit dem Bus weiter hoch nach Stalheim. 13 Haarnadelkurven mit nem Bus rauf. Wie der das geschafft hat, ohne wieder rückwärts zu rollen..wow. Oben angekommen konnten wir den atmenberaubenden Ausblick zurück in den Fjord genießen bevor es wieder weiterging. Diesmal zurück nach Voss von wo es aus mit dem Zug zurück nach Bergen ging. (die Wartezeit haben unsere lieben Eltern damit überbrückt sich ihren mittransportieren Alkohol zu mischen...*seufz* Und dann darf ich eigentlich nix mehr zu den Norwegern sagen...*seufz* *grins*)

Ja...und dort...dort sind wir wieder bei unserer Thaifrau eingefallen und haben es uns gleich wieder schmecken gelassen. Anschließend waren wir auch nochmal bei Vamoose! auf ein billiges Bier und um den Tag ausklingen zu lassen. Um 23Uhr haben wir dann den Zug zurück nach Oslo bestiegen und sind fast alle sofort eingeschlafen. NSB hat uns auch noch spitzenmäßig mit Decke, Augenmaske, Ohrstöpsel usw versorgt.
Ein angenehmes Ende für eine wunderbare Reise und viele wunderbare Erlebnisse... der nächste Morgen: 6Uhr langsames Erwachen im Zug und dann zu mir nach Hause, Zeug zu Papa packen, duschen, frühstücken, und los gings in die Arbeit.

So..meine Lieben...das wars für heute!Ich verabschied mich mit einem herzlichen "God Natt!" in mein Bettchen und morgen gehts weiter hier!Also nicht verpassen!:)
Bussi aus Oslo!

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